Schon wieder "Frauenfrühstück"?
Es ist ja nicht so, dass wir Frauen nur deshalb zum „Frauenfrühstück“ gehen, weil wir dieses Frühstück mal nicht selbst zubereiten müssen. Es sind schon die Themen, die uns reizen:
Ich komm schon klar.
Interessant waren die Gespräche vor der Veranstaltung. „Das müsste mein Mann hören, der will sich nie helfen lassen. Er schleppt die schwersten Kisten allein, nur um nicht zu zeigen, dass er mittlerweile nicht mehr so viel Kraft hat wie früher.“ Oder: „Ich will immer alle Torten allein backen, weil meine Schwiegermutter sonst denken könnte, ich kann nicht backen oder ich bin faul.“
Es waren viele Frauen am 3. November in Wetter in der Stadthalle, denn wir alle haben Bereiche in unserem Leben, in denen wir meinen, uns beweisen zu müssen. - „Ich komm schon klar.“ - „Ich schaff das schon.“
Angelika Marsch, die Referentin, Leiterin von Wycliff Deutschland, fragte: Wann sagt man das überhaupt: Ich komm schon klar. - Angewiesen sein auf andere, wer will das schon? - Hilfe annehmen ist nicht einfach und so sage ich mir: Ich brauche den anderen eigentlich nicht, ich brauche keine Hilfe. Und doch bricht es manchmal, wie in dem kleinen Anspiel vor dem Vortrag, aus uns heraus, z.B. gegenüber dem Ehemann: Wo bist du eigentlich, wenn ich dich brauche?
Oft ist in uns ein verzweifelter Wunsch nach Hilfe, aber wir haben Angst: Was denkt der andere von mir? Wendet er sich ab, weil ich ihn durch meine Bitte um Hilfe überfordere? Verachtet er mich, weil ich gar nicht so tüchtig bin, wie er gedacht hat? - Dabei gibt es so viele Situationen im Leben, in denen Hilfe wohltun würde: Überarbeitung in der Familie; ein schwieriges Kind; ein komplizierter Ehepartner; (drohende) Arbeitslosigkeit; Krankheit; Verlust eines nahen Menschen. - Das sind nur Beispiele.
Aber ich verhärte mich immer mehr und sage mir, ich bin schon so oft verletzt und enttäuscht worden: „Ich komm schon klar.“ „Mach dich hart, du brauchst keinen, der dir hilft...“ Und mit der Zeit kommt keiner mehr an mich heran. Ich habe einen Panzer um mich gebaut, den ich ohne Hilfe nicht mehr aufbrechen kann.
Was tat die Frau in der Bibel, die alles versucht hatte, damit endlich ihre ständige Blutung aufhörte, die ihr alle Kraft und Lebensfreude raubte? Sie ging zu Jesus. Sie suchte entschlossen eine letzte Hilfe und berührte sein Gewand. Jesus drehte sich zu ihr um und sagte:“Meine Tochter“. - Da, wo ich mich angenommen weiß, kann ich meinen Panzer öffnen, kann ich mir Hilfe schenken lassen, kann ich wieder Vertrauen gewinnen und mein Herz wieder weich werden lassen. Auch heute kann ich bei Jesus mein Herz ausschütten und er wird zu mir sagen „Meine Tochter“.
Eine Unterbrechung des Vortrags, zum Bedenken des Gehörten, führte zu lebhaften Gesprächen an den Tischen: Angst davor, Hilfe in Anspruch zu nehmen, Schwäche zu zeigen, nicht so stark zu sein, wie wir das eigentlich möchten, das war uns allen vertraut. Und so manche von uns entdeckte wohl, dass sie sich schon ab gekapselt, in einen Panzer zurückgezogen hatte, aus Angst vor Verletzungen, aus Scham, dem eigenen Anspruch an sich selbst nicht genügen zu können. - Die Älteren von uns beschäftigte die Sorge, durch Hilfsbedürftigkeit immer abhängiger zu werden, und die Angst vor dem Murren oder Stöhnen der Helfer.
Angelika Marsch ermutigte uns zum Schluss, in uns hinein zu hören, um herauszufinden, was bei mir dahinter steckt, wenn ich mich verschließe, keine Hilfe annehmen kann; wenn ich meine Grenzen nicht akzeptiere und immer mehr von mir fordere. Wir sollten lernen zu spüren, was in unserem Inneren wirklich vorgeht und Mut zu unserer eigenen Wahrheit haben. - Mir und anderen wieder zu vertrauen ist ein Lernprozess. Aber er lohnt sich, weil ich dann nicht nur selbst wieder lebendig werde, sondern auch Leben, Trost und Freude weiter schenken kann. Der Lernprozess ist möglich, so versicherte sie, wenn ich mich in der Liebe Jesu geborgen weiß.
Bärbel Wittchow

