Barmherzigkeit, Dankbarkeit und Gehorsam
„So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld, und ertrage einer den andern und vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den andern, wie der Herr euch vergeben habt, so vergebt auch ihr! Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit (Kol 3,12-14).
Erst, wenn wir anfangen an andere zu denken, gibt es die Möglichkeit zur Veränderung in unserem Leben. Wir sind nach Gottes Ebenbild erschaffen und sollen die persönlichen Beziehungen widerspiegeln, die innerhalb der Dreieinigkeit bestehen. Wir sollen anderen die Freundlichkeit, Liebe und Demut erweisen, die Gott uns erzeigt hat. Wenn wir anfangen, andere zu lieben, ihnen zu vergeben, sie zu ertragen und demütig zu sein, erfüllen wir unsere Wesensart als Bild Gottes. Folglich werden wir auch die Früchte eines solchen Lebens ernten.
Christus hat es uns möglich gemacht, die „neue Natur“ anzuziehen und ein neuer Mensch zu werden. Durch seinen Gehorsam schuf er etwas Neues. Das Ziel seines Werkes ist die neue Schöpfung, die Wiederherstellung aller Dinge.
Das Neusein ist aber auch schon hier und jetzt Realität, weil wir durch das Wirken des Heiligen Geistes verändert werden, was sich in unserer Lebensführung zeigt. Wir sollen im Glauben annehmen, dass wir in Christus ein neues Leben haben. Wir sollen barmherzig und von Herzen demütig sein, wie Jesus es war, wir sollen vergeben, wie Jesus vergab; wir sollen die Schwächen der andern ertragen, wie Jesus es tat; wir sollen lieben, wie Jesus geliebt hat.
Die Evangelien berichten häufig von Begebenheiten, bei denen Jesus Barmherzigkeit zeigte. Voller Mitgefühl berührte er einen Aussätzigen und heilte ihn. Er war voll Mitleid für die Kranken, Leidenden und die, die von der Sünde fast erdrückt wurden. Diesem Beispiel sollten wir im Umgang mit Menschen folgen und Barmherzigkeit in praktischen Dingen ausdrücken. „Wenn aber jemand dieser Welt Güter hat und sieht seinen Bruder darben und schließt sein herz vor ihm zu, wie bleibt dann die Liebe Gottes in ihm?“(1.Joh 3,17).
Dankbarkeit und Gehorsam gehen Hand in Hand. Wir sollen Christus nicht nur nachahmen, sondern auch daran denken, wie er uns aus Liebe zu uns erträgt. Das wird es uns leichter machen ihm ähnlich zu werden. Zwar ruft uns das Neue Testament zur Vollkommenheit auf, die Bibel geht aber von der Sündhaftigkeit des Menschen aus. Deshalb können wir weder von uns noch von anderen Menschen Perfektion erwarten. Durch das Werk Christi sind wir von der Verdammnis der Unvollkommenheit befreit. Über diese Freiheit sollten wir uns freuen und weder uns noch anderen durch falsche Erwartungen ein Joch auflegen, welches niemand tragen kann.
Im Bewusstsein unserer Befreiung von der Verdammnis und mit einem Gefühl für die Liebe Christi können wir nach und nach die Bedürfnisse anderer erkennen und für sie da sein. Wenn wir anfangen, andere zu lieben, werden unsere inneren Probleme mit der Zeit verschwinden. Das mag Jahre dauern, aber wir werden sicherlich gesegnet werden und unser Leben als tiefer und reicher erfahren.
Seien wir doch unserer Berufung gegenüber gehorsam und freuen wir uns an den Früchten des Menschseins.
Ulla Griego

