Rückblick auf das Jahresfest in Goßfelden
Das 103. haben wir gefeiert! - Viele von uns sind zwar nicht 100 aber doch schon recht alt. Wir überlegen jedes Jahr neu, ob wir es noch einmal schaffen, unser Fest so groß mit allen Gemeinden unseres Chrischonabezirks und den Gästen aus Goßfelden und Sarnau zu feiern. Und jedes Mal sind wir überrascht, dass sich genügend Helfer einfinden und genügend wunderbare Torten gespendet werden. So wollen wir vermutlich wagen, auch den 104. Geburtstag zu feiern.
Die Predigt hat mich in diesem Jahr nachdenklich gemacht: „Wer bin ich? – Was macht meinen Wert aus?“ - Frank Spatz, Leiter der Alpha-Buchhandlung Gießen, sprach zu diesem Thema.
Ich bin, was ich tue. – Ich bin, was andere von mir halten. – Ich bin, was ich habe.
Diese drei Kriterien bestimmen meistens unseren Wert. - Auch meinen? In der letzten Zeit prüfe ich mich immer mal, ob es bei mir auch so ist. – Ist aus mir geworden, was ich wollte? Ist mein Beruf, meine Beschäftigung vorzeigbar? Und schon bin ich bei Punkt zwei: Werde ich so gut sein, dass man meine Leistung auch anerkennt, dass man gut findet, was ich tue? Wie sehr macht es mir zu schaffen, wenn ich merke, dass mir vieles nicht so gelingt, wie ich es möchte? Und: Ist es mir nicht doch sehr wichtig, sympathisch gefunden zu werden? Wie viele Zugeständnisse mache ich, um keinen Anstoß zu erregen? Wie froh bin ich, dass nicht alle alles von mir wissen? – Ich genieße es, morgens in unseren Garten zu schauen, noch Pläne für den Tag machen zu können. Noch! Ich fürchte die Zeit der Beschränkungen - gesundheitlich - und als Folge davon auch die räumliche Beschränkung, die finanzielle, weil Pflege viel Geld kostet. – Und, wie Frank Spatz aufzeigte, kommt dann die Frage: Was bleibt von mir, wenn ich gestorben sein werde? Wie schnell wird es gehen, dass nichts mehr von mir da ist, kaum noch Erinnerung.
Ja, wer bin ich? – Ganz gleich, was aus mir geworden ist, beruflich, gesellschaftlich; ganz gleich wie anerkannt oder verkannt ich bin; ganz gleich wie eingeschränkt oder beweglich und lebendig ich bin. Ich bin ein Geliebter, eine Geliebte Gottes. Nichts, gar nichts ändert etwas daran. Auch der Tod nicht, denn durch den Tod hindurch bleibe ich von Gott geliebt, von Gott erwartet, von Gott liebevoll empfangen. Ich werde ihm sagen müssen, dass ich über sehr vieles traurig bin, was ich nicht getan, was ich schlecht getan, was ich verdorben habe, aber: Ich sage es dem der mich liebt, Gott, dem Vater.
Das Grußwort von Pfarrer Hammann, von Kirchenvorsteherin Helga Bosshammer vorgetragen, passte zu unserem Thema. Zum Wochenspruch: Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat (Psalm 103,2) sagte er u.a.: „Ein Mensch befindet sich in Zwiesprache mit seiner Seele. Damit tut er das, was uns Menschen von allen anderen Lebewesen unterscheidet. Nur wir Menschen können zu uns selbst in Distanz treten. Nur wir Menschen können uns zu uns selbst ins Verhältnis setzen.“ Und, so Pfarrer Hammann weiter: Der Psalmist ruft seine Seele auf, „ Gottes Wohltaten nicht zu vergessen. So wenig wie es einen Menschen auf dieser Erde gibt, den Gott nicht liebt, so wenig gibt es auf der Welt einen Menschen, der Gott nicht für irgendetwas Gutes danken könnte.“
Ja, wir sind bei diesem Jahresfest mit unserer Seele, wir sind mit Gott ins Gespräch gekommen, nun sollten wir auch zu unserem Nächsten gehen.
Bärbel Wittchow

