Sechs Phasen einer Veränderung
„Südkalifornien ist bekannt für seine Strände. Hier wurden die Musik der Beach Boys, Strandparties und natürlich das Surfen populär. Auch wenn das Surfen bei den meisten amerikanischen Kids vom Skateboardfahren abgelöst worden ist (da sie keine Gelegenheit zum Surfen haben), ist der wahre Sport in Südkalifornien immer noch populär. Viele unserer Schulen bieten Kurse im Surfen an. Beim Unterricht im Surfen wird man Ihnen alles beibringen, was Sie darüber wissen müssen: wie Sie die richtige Ausrüstung wählen, wie Sie das Brett richtig benutzen, wie Sie eine Welle erkennen, auf der Sie „reiten“ können, wie Sie eine Welle erwischen und sich so lange wie möglich auf ihr halten können. Und, das ist das Wichtigste, wie Sie die Welle wieder verlassen, ohne von ihr umgeworfen zu werden. Aber es wird nie eine Unterrichtseinheit geben mit dem Titel „Wie man eine Welle macht“. Surfen ist die Kunst, auf den Wellen zu reiten, die Gott gemacht hat. Gott macht die Wellen, die Surfer reiten nur auf ihnen. Kein Wellenreiter versucht sich daran, selbst Wellen zu schaffen. Wenn keine Wellen da sind, dann geht man an diesem Tag eben nicht Surfen! Wenn Surfer aber eine richtig gute Welle sehen, dann tun sie alles, um so lange wie möglich auf dieser Welle reiten zu können, auch wenn das vielleicht heißt, mitten in einem Sturm zu surfen.“
Die Gemeinde Jesu Christi ist und bleibt beauftragt, das Evangelium von der Erlösung der Welt allen Menschen weiterzusagen. Sie ist von Gott gewollt, sie lebt aus seinem Wort und in der Gegenwart des Geistes. Dabei ist und bleibt Christus das Haupt seiner Gemeinde. Und doch muss sich die Gemeinde immer wieder fragen lassen, ob ihre Glaubensgestaltung noch authentisch ist und ob ihr Weg zu den Menschen und ihre Lebensweise noch verstanden werden können. Und das führt automatisch zu Veränderungen, aber nicht um der Veränderung willen, sondern um Gottes Willen, der uns den Auftrag gegeben hat, sein Wort den Menschen unserer Zeit weiterzusagen. Darum kann man auch sicher sagen, dass jede Veränderung wie solch eine oben beschriebene Welle ist, die uns unser guter Gott sendet, um seine Gemeinde so zu formen, dass sie diesem Auftrag in ihrer Zeit gerecht werden kann. Wichtig für uns als Mitarbeiter wird sein, uns, in der Stille vor Gott, die „Wellen“ zeigen zu lassen, mit denen er auch unsere Gemeinde verändern möchte.
Und dazu dienen auch die sog. „Sechs Phasen der Veränderung“:Diese Methode hat keine Kraft in sich! Sie „funktioniert“ nicht von selbst, sondern hilft uns nur dann, wenn unser höchstes Ziel ist und bleibt: „Finde heraus, was Gott von dir möchte... Und dann tue es!“
Phase 1: Eine alte Regel besagt: „Das Ziel bestimmt den Weg!“ Wenn ich nicht weiß, wo ich hingehe, brauche ich erst gar nicht losgehen! Es braucht also einen Punkt „A“, der Punkt, an dem wir als Gemeinde gerade stehen! Und einen definierbaren Punkt „B“ in der Zukunft, der Punkt, auf den wir zuarbeiten möchten! Der Tenor dabei ist die Frage: „Wie soll die Gemeinde in fünf bis zehn Jahren aussehen? Was sollen Gemeindeglieder / Nachbarn / Freunde / die kommunale Gemeinde / der Bürgermeister über meine Gemeinde sagen können? Was ist unser Auftrag von Gott an unserem Ort? Usw...“ Dieser Auftrag sollte dann möglichst in einem oder mehreren Leitsätzen zusammengefasst werden, und zwar so, dass es einfach zu behalten ist!
Phase 2: In der zweiten Phase geht es darum, die mit einzubeziehen, die es nachher auch betrifft. Sprich: Die Gemeinde. Denn der Rest der Gemeinde muss ja auch mit ins Boot, damit der Veränderungsprozess von möglichst vielen mitgetragen und mit verantwortet werden kann. Dabei stellt sich die Frage: Können alle den Auftrag (die Leitsätze) verstehen, die wir in Phase 1 formuliert haben? Dazu muss er in einer Sprache formuliert werden, die jeder versteht, wobei die Idee, der Gedanke und das Herz, das in dem Auftrag schlägt entscheidend ist! Um das umzusetzen, sollten kommunikationsfähige Mitarbeiter aus dem Gemeindeleitungsteam (GLT) gezielt mit Gemeindegliedern sprechen, denn es ist wichtig, dass mit den Menschen aus der Gemeinde gesprochen wird und sie den Auftrag auch zu ihrem machen. In der Praxis kann dies folgendermaßen aussehen: Ich treffe mich mit einer Person der Gemeinde, spreche über das, was uns gerade im GLT bewegt und stelle dabei auch Fragen wie z.B.: „Haben Sie eine Idee, wo es mit unsrer Gemeinde hingehen könnte?“ „Haben Sie eine Ahnung, was wir in der Zukunft tun sollten?“ „Können Sie sich vorstellen, wo unsere Gemeinde in 10 Jahren steht?“ Auf diese Art und Weise kann eine Identifikation mit der eigenen Gemeinde entstehen, die in den weiteren Phasen der Veränderung sehr hilfreich sein kann.
Phase 3: In dieser Phase geht es einfach um Fragen wie: „Was war früher bei uns erfolgreich?“ „Was hat nicht geklappt?“ „Wie gestalten wir die nächsten Schritte?“ „Welche Möglichkeiten haben wir?“ „Unter welchen Rahmenbedingungen müssen wir arbeiten?“ „Wie ist es zu bewältigen?“ „Wieviel Zeit braucht man dazu?“ „Welche finanziellen Mittel stehen uns zur Verfügung?“ In dieser Phase geht es also darum, die Gemeinde zu analysieren und ihr soziales und gesellschaftliches Umfeld unter die Lupe zu nehmen, um dann eine Strategie erarbeiten zu können, die der Gemeinde hilft, ihren Auftrag in ihrem Umfeld wahrzunehmen: Menschen für Jesus Christus zu gewinnen! Hier ist es sicher nicht schlecht, wenn man weiß, welche Mitarbeiter mit welchen geistlichen Gaben der Gemeinde zur Verfügung stehen. Man kann so einfach besser planen und sehen, welche Möglichkeiten - von den Fähigkeiten der Mitarbeiter aus gesehen - die Gemeinde hat, um ihre Vision in die Tat umzusetzen! Ich gehe davon aus, dass Gott einer Gemeinde immer die Menschen mit den Gaben schickt, die dazu dienen, dass Gemeinde Jesu an diesem Ort gebaut werden kann. Ich kann aus dem NT nichts anderes erkennen. Um entscheiden zu können, welcher Weg hier am Besten gegangen werden kann, wäre es in dieser Phase (bzw. schon von Anfang an) sicher nicht schlecht, einen externen Berater zur Verfügung zu haben!
Phase 4: In dieser Phase geht es zuerst mal um die Konsequenzen. Man stellt sich jetzt konkret auf die Veränderung ein und fragt sich: „Wie kann man mit der Veränderung/der neuen Situation umgehen?“ „Welche Ergebnisse sind möglich?“ „Was bedeutet die Veränderung für mich persönlich? Was soll ich jetzt tun?“ „Wer ist für was verantwortlich?“ Usw.. Wenn diese Fragen bedacht sind, geht es um Zusammenarbeit und konkretes Handeln. D.h., es werden Entscheidungen getroffen, wie z.B.: „Wir arbeiten ab sofort in Teams!“ „Dieser oder jener Leiter kann die oder die Aufgabe jetzt selbständig übernehmen!“ Etc. Bei den Zielen, die man sich hier steckt muss darauf geachtet werden, dass sie nicht zu pauschal sind! Vorgaben bitte genau definieren, einen Verantwortlichen festlegen, einen Zeitrahmen setzen, und ein Kontrollinstrument festlegen.
Phase 5: Was entschieden wurde, wird nun umgesetzt! In dieser Phase wird sich bewähren, wie ernst wir es mit der Veränderung gemeint haben. Denn jetzt ist jeder gefragt.
Phase 6: Wir haben uns ja in Phase 4 gewisse Ziele und Limits gesetzt. Jetzt wird zurückgeschaut! Was gewesen ist wird beurteilt, besprochen und analysiert. Und das bitte ehrlich! Wir brauchen uns an dieser Stelle nichts vorzumachen, denn das hilft uns nicht weiter! Wenn wir einen Berater einbezogen haben, dann wird diese Phase leichter zu meistern sein! Eine der wichtigsten Fragen dabei wird sein: Was haben wir erreicht und was kann man verbessern? Aber es wird in dieser Phase nicht nur kritisiert! Es wird auch kräftig gefeiert! Erfolge/Ziele, die man erreicht hat, die muss man feiern! Das gehört zu den menschlichen Bedürfnissen und auch auf die muss man achten! Wir arbeiten für unseren Herrn, das ist ganz klar! Aber er hat die Bedürfnisse nicht in den Menschen hineingelegt, damit wir einfach darüber hinweg gehen! In dieser Phase kommt dann aber auch eine neue „Welle der Veränderung“ in den Blick! Auch deshalb ist das Bild von der Welle gar nicht so schlecht. Das heißt nicht, dass es erst mal runter geht, wenn die Phase 6 durchschritten ist, sondern sie enthält im Grunde schon wieder die Phase 1 der neuen Welle. Und so geht es Welle für Welle - mit viel Geduld, Ausdauer und Vertrauen auf die Macht und Stärke unseres Herrn - auf das Ziel zu, das sich unser Gott mit unsrer Gemeinde gesteckt hat. Vergessen wir dabei aber nie den Grundsatz:
”Finde heraus, was Gott von dir möchte...
Und dann tue es!“ (Robert Logan)

